Was ist eigentlich ein „Download“ oder: Internet – Deutsch; Deutsch – Internet

Ich hätte es mir ja denken können. Irgendwann kam der Zeitpunkt, an dem mein „Patenkind“ mir gegenüber saß, die Stirn leicht gerunzelt, und mich fragte: „Das ist ja alles gut und schön mit dem Computer und dem Internet. Aber: Was ist eigentlich ein „Download“?
Die ungewohnte, neue Technik ist nur EIN Hindernis auf dem Weg ins weltweite Netz. Ein ganz anderes ist das Fachchinesisch, besser gesagt. Diese unsägliche denglische Mischung aus pseudo-englischem Fachkauderwelsch und hippem insider – Innenseiter? – Wissen vorgaukelnden Verhudellungen sowohl der deutschen als auch der englischen Hochsprache. Oder wie würde man sonst sagen zu: „Mail mir ‘mal die Bilder?“
Kurz: Ein „Fach“-Wörterbuch musste her, und zwar schnell, wollte ich unsere Erfolge der ersten Wochen nicht allzuschnell geopfert sehen auf dem Altar einer unnötigen Anglomanie.

Wir setzten uns also hin und sammelten erst einmal:
E-Mail: Klar, ein elektronischer Brief.
Mailen: Schon schwieriger.„Verschicken eines elektronischen Briefes“ ist zwar korrekt, aber viel zu lang, also: „Posten“ wäre das deutsche wörtliche Gegenstück, versteht aber keiner. Aber warum nicht einfach „schicken“?!
Download: „Herunterlad“, na gut: „Herunterladung“, aber bitte nicht
downloaden: Da denke ich gleich an „Daun-Loden“, also einen doppelt warmen Mantel.
Browser („Brauser“): Nee, nix Dusche, eher ein „Äser“, oder um im Jargon zu bleiben: Das Brett, auf dem Du durchs wordwideweb surfst.

Aber es geht noch besser.
Screenshot: Bildschirmfoto. Jetzt kommt’s. Und was bitteschön ist
screenshotten: Vielleicht auch „Skrienschotten“, ein seltener Stamm im Norden Englands, vergleichbar den Angelsachsen??

Hilfe! Wehe, wenn man einmal damit anfängt! Die Liste lässt sich beliebig fortsetzen. Wem sind nicht schon Ausdrücke begegnet, die einem irgendwie „Spanisch“ vorkommen?!

Spielen ist manchmal die beste Übung

Mah-Jong fesselte uns dann das gesamte Wochenende hindurch. Im Fernsehen kam eh nichts Vernünftiges, und wenn sich dann der Abend über die Stadt senkte, die Terrasse aufgeräumt, das Abendessen verspeist und einigermaßen verdaut war, verschwand meine Schwiegermutter im Kämmerchen unter’m Dach. Dort stand ihr Schreibtisch mit dem Rechner. Gegen 23 Uhr machte ich mir dann doch etwas Sorgen. War sie vielleicht vor dem Bildschirm eingeschlafen oder hatte sie – schlimmer noch -voller Verzweiflung und Wut, mit Tränen in den Augen den Rechner aus dem Fenster befördert, nachdem dieser zum unzähligsten Male ihr erst eine Fehlermeldung, dann den bekannten „blue screen“ (blauen Bildschirm) und nach einem Neustart nur noch den abgesicherten Modus angeboten hatte, natürlich ohne ihr inzwischen so lieb gewonnenes Mah-Jong? Nein, im Gegenteil. Als sie mich auf der Türschwelle erblickte über ihre kleine Schreibtischlampe hinweg strahlte sie mich an und sagte mir:
„Schon wieder alle Steine weggeputzt, und das in neuer Rekordzeit!! Willst Du es auch einmal versuchen?“
„Wieso nicht? Es scheint ja ganz fesselnd zu sein…“
Sprach’s, und als ich wieder auf die Uhr schaute, war es halb drei nachts, die Augen rot gerändert – aber ihre Bestzeit immer noch nicht eingestellt. Ich sollte es übrigens nie schaffen. Sie spielt heute noch ab und zu Mah-Jong – mit Maus und Laptop, doch dazu später mehr.

ein paar „Maus-Übungen“

Die „Maus“ ist leider wichtig, und ich musste lange überlegen, wie ich den spielerischen Umgang mit ihr vermitteln kann, ohne mein „Lernziel“ zu gefährden: Den Nutzen und die Vorteile von PC und Internet entdecken zu lassen, ohne abzuschrecken mit zu viel Neuem und Unbekannten, das sich nicht auf Anhieb erschließt und beherrschen lässt. Wer schon einmal versucht hat, bestimmte Buchstaben, Worte oder auch einen Absatz zu markieren, der weiß: Ein word-Text ist dafür nicht die beste Wahl, aber ein Spiel, bei dem man den cursor langsam, aber zielsicher bewegen muss um dann mit einem Doppel-Klick ein Erfolgserlebnis zu erzielen: Mah-Jong! Spiele eignen sich generell gut, um die Wunderwelt der bits und bytes zu erleben, ohne zu sehr mit dem Innen- und Eigenleben von diesen hässlichen grauen Kisten konfrontiert zu werden. Die „Bordmittel“ Solitaire und Minesweep helfen bei der Beherrschung der Maus genauso gut wie andere kleine und einfache Spiele, bei der die Maus zum Einsatz kommt. Bewegen und klicken, klicken und bewegen. Alles andere kommt dann von selbst, wenn man wieder an seinem Texten sitzt!

Der erste Kontakt: Die „Schreib-Maschine“

Gesagt, getan. Als der Kaffee durchgelaufen war, hatte ich den (ja, damals war noch die Zeit von) Windows98-Rechner so weit, dass wir mit der „Schreibmaschine“ – also einem Word-Dokument – starten konnten. Diesmal setzte sie sich an Tastatur und Bildschirm und konnte loslegen. Eine Schreibmaschine kannte sie schon, so war ihr die Tastatur vertraut. Aber die Schrift auf dem kleinen Fernseher irritierte dann doch etwas. Was völlig neu war: Man brauchte kein Tipp-Ex mehr, wenn man sich verschrieben hatte!! Nur dieses blinkende Strichlein (den Cursor) mit Hilfe der Tasten mit den Pfeilen nach oben (oder unten) und dann links (oder rechts) an die entsprechende Stelle bringen, und man konnte mit Hilfe einer weiteren (der „Back“-)Taste die vertippten Buchstaben verschwinden lassen! Das hatte schon etwas von Magie.

Ich ließ sie sich erst einmal vertraut machen mit diesen neuen Schreibutensilien. Wir entdeckten den Tabulator und die Eingabe=Ab-in-den-nächsten-Absatz-Taste und zum Ende zeigte ich ihr noch eine Besonderheit des Computers, die bis heute ein Mysterium für sie bewahrt hat. Wir speicherten die Datei in einem Ordner, den wir extra für diese Zwecke anlegten, gaben ihr einen lustigen Namen und sie durfte die Datei dann wieder öffnen – natürlich erst, nachdem wir die Datei und das Schreibprogramm komplett geschlossen hatten! Die Maus führte ich dabei noch größtenteils selber, denn mit solch einem kleinen, etwas unförmig-grauen Gerät einen Pfeil über den Bildschirm zu bewegen, war noch völlig unvertraut für sie und – zugegebenerweise – ein wenig unheimlich.
- „Warum macht dieser Pfeil dass, wenn ich hier diese „Maus“ bewege?“
- „Egal, der Computer macht so einiges, was ich nicht verstehe. Hauptsache er macht auch das, was ich von ihm will – meistens, jedenfalls…“
Damit war der erste Kontakt gut überstanden und wir hatten uns unseren Kuchen verdient – den ich dann noch schnell besorgte, während der Computer wieder „herunterfuhr“…

Es ist schon etwas länger her…

Pate bin ich – ohne es zu wissen – eigentlich schon seit 1999. Da kam meine Schwiegermutter zu mir und fragte mich, ob ich ihr beim Schreiben eines Briefes am Computer helfen könne.

„Selbstverständlich“ antwortete ich ihr. Schließlich nutzte ich selbst den Computer bereits seit einigen Jahren als Arbeitsgerät, auch das Internet. Als wir dann aber zum ersten Mal gemeinsam vor der „Kiste“ saßen – dem großen Monitor und der Tastatur mit Maus, war alles gar nicht mehr so selbstverständlich.

Die Nutzung eines PC ist vor allem eines nicht: selbst erklärend. Der „An-Knopf“ (unten rechts, direkt neben dem „Reset-Button“) war ja noch schnell gedrückt. Doch dann gingen die Fragen los. „Welche Sprache wollen Sie einstellen? Welche Zeitzone?“ Und natürlich noch: „Wollen Sie einen oder mehrere Nutzer anlegen? Wer ist der Administrator?“

„Was ist denn das?“, fragte mich meine Schwiegermutter, die gleich hinter meinem Stuhl stand und mir interessiert über die Schulter zu schaute, wie mich durch diesen nicht enden wollenden Katalag an Fragen kämpfte. „Och, nichts Wichtiges!“ erwiderte ich und realisierte, dass ich den ersten Fehler gemacht hatte. Wenn man jemanden an etwas vollständig Neues heranführen will (und nicht gleich verschrecken), sollte man den Arbeitsplatz entsprechend vorbereiten. Sie wird sich schon noch früh genug mit den Einstellungen ihres PC herumschlagen müssen, mit der „Bill-Gates-Gedächtnisminute“ bei jedem Start und den regelmäßigen Zwischenfragen und Fehlermeldungen. Aber bitte nicht schon beim ersten Kontakt!

„Magst Du uns nicht einen Kaffee kochen? Ich richte derweil den Computer so her, dass wir dann gleich in Ruhe anfangen können…“